In memoriam: Hans Joachim de Bruyn-Ouboter
16.11.2016 - 21:12

In memoriam Hans Joachim de Bruyn-Ouboter

Donnerstagmorgen, 01.09.2016, gegen 6:30 Uhr … irgendwo im Bergischen Land klingelt der Wecker und mit noch nicht ganz wachen Augen schweift der Blick zum Handy: Sie haben eine neue E-Mail. Gesendet um 0:53 Uhr. Absender: Bergischer Ring. Betreff: Ringbrief Nr. 35.
Oha, fährt es dem Empfänger der Mail durch den Kopf. Da hat mal wieder jemand eine Nachtschicht eingelegt, um die Attraktionen rund um das Bergische Land publik zu machen. Damit am Wochenende keine Langeweile aufkommt, besuchen Sie doch einmal Schloß Burg in Solingen-Burg, das Wülfing Museum in Radevormwald-Dahlerau, das Tuchmuseum in Lennep, die Villa Ohl, das Museum Achse, Rad und Wagen in Wiehl, das Freilichtmuseum Lindlar, das Westfälische Landesmuseum für Handwerk und Technik, die Papiermühle Alte Dombach, die Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen, Schloss Homburg in Nümbrecht und / oder das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen.

Man sieht sich, Ihr Hans Joachim de Bruyn-Ouboter.

Das war die letzte Nachricht, die von ihm kam, denn Hans Joachim de Bruyn-Ouboter ist am 20.09.2016 plötzlich und unerwartet verstorben.
Rund um das Bergische Land gibt es wohl keinen Verein, den er nicht kannte oder in dem er sogar aktiv war. Häufig war er Gast im WDR und bezog Stellung z.B. rund um den Umbau des Döppersbergs sowie der Umwandlung der Nordbahntrasse in einen Rad- und Fußgängerweg. Bei ähnlichen Großprojekten war seine Meinung gefragt, weil sie stets fachlich und fundiert war. Die Glaubwürdigkeit seiner Worte war unbestritten.
Ganz besonders involviert war er bei der Sanierung der Schwebebahn und deren Bahnhöfe. Auf der einen Seite stellte er fest, dass das Schwebebahngerüst damals am Ende gewesen sei und die Schwebebahn zukunftsfähig gemacht werden müsse, auf der anderen Seite hielt er an dem historischen Erscheinungsbild des „Schwebebahnhofs Werther Brücke“ unbeirrt fest und konnte durch Überzeugungsarbeit den heute schönsten Schwebebahnhof Wirklichkeit werden lassen.



Seine Heimatliebe zu Barmen und dem Heidt konnte dem geführten Schriftverkehr entnommen werden: Da stand niemals „Wuppertal, den ….“, sondern stets „Barmen, den ...“ …. In diesem Zusammenhang entstanden verschiedene Bücher über Barmen. Das bekannteste müsste „1200 Jahre Barmen“ sein.
Machen wir nun einen Zeitsprung zurück in die 80er Jahre, in denen ich Herrn de Bruyn-Ouboter als Lehrer erleben durfte. Deutsch- und Geschichtsunterricht hatten stets einen Zusammenhang. Es kam vor, dass Herr de Bruyn-Ouboter eine ganze Unterrichtsstunde interessant über eine geschichtliche Begebenheit erzählen konnte, ohne dass die Erzählungen langweilig wurden. Seine Ausführungen waren kurzweilig, spannend und interessant. Ich erinnere mich an Wortfragmente, wie den riesigen „Särgberg“ und dass viele Begebenheiten „ungeheuer grotesk“ waren.

Nach meinem Abitur im Jahre 1988 am Gymnasium Sedanstraße habe ich Kontakt zu verschiedenen Lehrern gehalten, bei denen ich einfach festgestellt habe, dass die Chemie stimmt.

Der Kontakt zu Herrn de Bruyn-Ouboter war dabei ein Wesentlicher, weil er mir von seinem Vorhaben berichtete, die Schulgeschichte aufarbeiten zu wollen. Ich erinnere mich daran, dass Carsten Pick mit einigen Mitstreitern gut recherchiert hat, um das Gymnasium Sedanstraße auf die Schiene der alten Barmer Amtsschule von 1579 zurück zu führen. Die über 100 seitige Textpassage ist in der Festschrift von 1994 festgehalten.
Meine Aufgabe dabei war, inspiriert, aber durchaus eigenverantwortlich, eine Liste aller Lehrer von 1579 bis 1994 mit Geburts- und ggf. dem Sterbedatum anzufertigen. Soweit es in den zur Verfügung gestellten Unterlagen Vermerke gab, wohin die Lehrer gegangen sind, konnte es so übernommen werden. In 18 Seiten sind daher interessante Informationen über die Barmer Lehrkräfte nachzulesen.

Die Arbeit an der Festschrift setzte auch private Besuche bei einigen Ehemaligen voraus. Der Älteste war damals schon weit über 90 Jahre alt und lebte in Waldbröl. Viele weitere Besuche folgten, meist in Wuppertal. Im Idealfall durften wir alte Bierzeitungen und Fotos ansehen. Gerne erinnere ich mich daran, wie uns die Gespräche Einblicke in die frühere Schulzeit gaben. Dabei wurde klar, dass die damaligen Schüler gerne zur Schule gegangen sind, obwohl ihnen dort viel abverlangt wurde. Darüber hinaus haben wir erfahren, dass das Lehrer- / Schülerverhältnis ein sehr intensives war, weil z.B. die Sommerferien zusammen verbracht wurden. Die Klassenfahrten führten meist zum Wandern nach Schmalkalden in Thüringen. In diesem Zusammenhang fällt mir ein, dass über gemeinsames Singen und Musizieren, sportlicher Betätigung, das Essen aus dem sogenannten Hordenpott verspeist wurde. Sehr deutlich wurde, dass die Schüler großen Respekt gegenüber ihren Lehrern hatten.

Nachdem die Festschrift veröffentlicht war, habe ich mich aus familiären Gründen etwas aus der geschichtlichen Schulrecherche zurückgezogen. Bei unseren Begegnungen z.B. auf Schulfesten hat Herr de Bruyn-Ouboter mir aber immer zu verstehen gegeben, wie wichtig unsere Recherchen waren und welche noch folgen könnten.

Ich persönlich hatte eine gute Zeit mit Herrn de Bruyn-Ouboter und erinnere mich gerne an unsere außerordentlich schöne und ergebnisorientierte Projektarbeit. Es war mir eine Ehre!

Thorsten Schwafferts, im Herbst 2016


UAP-Admin


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